Es war noch in den frühen Morgenstunden, in denen mein Geist noch nicht so rund läuft und der Koffein erst langsam zur Hirnrinde tröpfelt.
Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine männliche Stimme, die Ihren Besitzernamen nur unverständlich in den Hörer nuschelte.
"Sie haben ja gestern Post von uns bekommen, in der wir Ihnen die Vorzüge unserer gemafreien Musikstücke erläuterten..." ratterte es mir entgegen.
Ich überlege kurz... "Nein, tut mir leid, so etwas haben wir nicht bekommen".
"Na egal, dann wird es vermutlich heute oder morgen bei Ihnen in der Post liegen", will mich der Herr beruhigen. "Ich will Ihnen gerne einmal einige CDs vorbeischicken, die Sie von der Qualität unserer Stücke überzeugen wird."
"Hmm...", entgegnete ich, "eigentlich haben wir hier einen ganz ausgezeichneten, breit gefächerten Pool".
"Das macht ja nichts, wir können Ihnen die ja trotzdem einmal zusenden und Sie hören es sich einfach einmal an."
"Haben Sie eine Internetseite, wo ich vielleicht einige Demos anhören kann. Dann brauchen Sie mir die CDs ja gar nicht zusenden".
"Ja, aber da ist die Qualität ja nicht so gut", erwidert er, "es ist kein Problem für uns, Ihnen unsere Auswahl per Post zukommen zu lassen."
"Ach was, so bekomme ich schon einmal einen kleinen Vorgeschmack und bei Interesse können wir uns ja bei Ihnen melden".
Der Vertreter hatte wohl den leisen Verdacht, dass sein Verkaufsgespräch in die falsche Richtung läuft. Er wurde ungeduldig. "Ich mache Ihnen ein unschlagbares Angebot. Ich schicke Ihnen unsere CDs zu und wenn diese Ihnen tatsächlich nicht gefallen sollten, können Sie diese innerhalb von zwei Wochen zurückschicken."
AHA. Jetzt wusste ich endlich was er wollte...
"Ähh... das klingt so, als wenn ich die CDs bezahlen müsste, wenn sie nicht nach zwei Wochen den Weg zu Ihnen zurück finden", sagte ich verwundert. "Ich dachte, das wären Demo-CDs?"
"Sie bekommen natürlich unsere Vollversionen ohne Einschränkungen zugesandt", hörte ich.
"Entschuldigen Sie, aber das Prozedere ist mir einfach zu umständlich. Nennen Sie mir doch einfach Ihre Internetadresse. Nachher vergesse ich womöglich noch das rechtzeitige Zurücksenden Ihrer Ware...", unkte ich.
"Klick....tut.tut.tut.tut...".
Da hatte Mister Invisible doch tatsächlich unverhoffter Dinge aufgelegt.
Unverwunderlicherweise war die Rufnummernunterdrückung aktiviert - scheint ja mittlerweile gängige Praxis von "Telefonvertretern" und grossen Firmen zu sein, sich bloß nicht zu outen oder einen konkreten Ansprechpartner zu benennen.
Nach der Impressumspflicht und der Anbieterkennzeichnung im geschäftlichen EMail - Verkehr rege ich daher an, diese "Selbst-Veröffentlichung" bis in den geschäftlichen Telefonverkehr auszuweiten.
Bei ISDN-Telefonie mit Display ist das ja schon längst möglich - warum also nicht zur Pflicht machen...?
Dann sehe ich gleich, wer mich denn da ganz konkret sprechen möchte. Mit einem sanften Druck auf den "Save"-Button wandert der Gesprächspartner dann samt Kontaktdaten ins Eletronengehirn meines Telefons.
P.S. Die angekündigte Post ist übrigens noch immer nicht eingetroffen.
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